EN-V Concept von GM

EN-V Concept von GM

Veröffentlicht am: 24. März 2010Von
Die Designer und Ingenieure tüfteln an dem Auto von morgen. Aber noch nie war es so schwer herauszufinden, ob diese Autos auch angenommen werden. Haben die eAutos zumindest in der Stadt die Nase vorn?


GM enthüllt EN-V Concept: Vision urbaner Mobilität der Zukunft

  • Völlig neue Form individueller Mobilität wird wachsenden Ballungsräumen gerecht
  • Die Verbindung von Elektroantrieb und moderner Kommunikationswelt verändert die DNA des Automobils
  • EN-V Concept erstmals auf der Weltausstellung 2010 in Shanghai zu sehen

Shanghai – Im Jahr 2030 soll die Weltbevölkerung rund acht Milliarden Menschen umfassen und mehr als 60 Prozent davon werden voraussichtlich in Ballungsräumen leben. Dadurch entsteht eine gewaltiger Druck auf die Infrastruktur der Städte, die bereits heute unter der stetig steigenden Last des Transport- und Privatverkehrs leiden.

Vor diesem Hintergrund verfolgen General Motors und Shanghai Automotive Industry Corp. Group (SAIC) die gleiche Strategie: Die Partner wollen den Bedarf an individueller Mobilität mit völlig neuen Formen der Personenbeförderung in Großstädten decken. Deshalb prüft der Forschungsverbund im Interesse der kommenden Autofahrergeneration verschiedene Lösungen. Eine der vielversprechendsten Ideen ist ein Fahrzeug namens EN-V.

Großes Potenzial

EN-V ist die Abkürzung für Electric Networked Vehicle. Dieses Fahrzeug gewähreistet individuelle Mobilität als ein wertvolles Stück Freiheit, löst das Auto aus der Umweltdiskussion heraus und lässt gleichzeitig völlig neue Design-Prämissen zu. Das EN-V ist als zweisitziges Elektromobil, dazu geeignet, die Bedenken hinsichtlich Staus, Parkmöglichkeiten, Luftqualität und Bezahlbarkeit zu zerstreuen.

Heute wurden in Shanghai drei EN-V-Modelle enthüllt. Sie repräsentieren drei verschiedene Charaktere, die andeuten, wie angenehm die Menschen künftig unterwegs sein können: Jiao (Stolz), Miao (Magie) und Xiao (Lachen). Die Konzeptfahrzeuge sind vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 im SAIC-GM-Pavillon auf der Weltausstellung in Shanghai zu sehen. Experten gehen davon aus, dass Mobilitätstechnologien der Zukunft schwerpunktmäßig in Shanghai erprobt werden.

„Mit dem EN-V erfinden wir das Auto neu. Durch die Verbindung von Elektroantrieb und moderner Kommunikationswelt ist ein komplett verändertes automobiles Genmaterial entstanden. Das ist die ideale Lösung für die urbane Mobilität der Zukunft – ohne Kraftstoff und Emissionen, ohne Staus und Unfälle, dafür mit umso mehr Fahrspaß. Autofahren wird so angesagter sein als je zuvor“, sagte Kevin Wale, Präsident und Managing Director der GM China Group.EN-V Concept von GM{mospagebreak}

Bahnbrechende Technologie

Das EN-V Concept wurde inspiriert durch den Personal Urban Mobility and Accessibility (P.U.M.A.)-Prototypen, den GM in Zusammenarbeit mit Segway entwickelt und im April 2009 vorgestellt hatte. Angetrieben wird das EN-V durch je einen Doppelmodus-Elektromotor in den Rädern. Diese Technologie stellte GM erstmals mit der Studie Hy-Wire auf dem Pariser Autosalon 2006 vor. Dabei beschleunigen die Motoren nicht nur, sondern bremsen das Fahrzeug umgekehrt auch bis zum Stillstand ab. Der Wendekreis hat mit dem herkömmlicher Autos kaum mehr etwas zu tun – das EN-V macht auf dem sprichwörtlichen Bierdeckel kehrt.

Lithium-Ionen-Batterien liefern völlig emissionsfrei die Kraft für die Motoren. Die Stromspeicher können an herkömmlichen Haushaltssteckdosen aufgeladen werden und bieten eine Reichweite von mindestens 40 Kilometern. Mit dem EN-V lässt sich die Strominfrastruktur effizienter nutzen, denn das Fahrzeug kann mit dem Stromnetz „kommunizieren“. Aufgeladen wird demnach zu Zeiten niedriger Nachfrage, was eine kontinuierliche Netzauslastung fördert.

Durch die Kombination von Global Positioning System (GPS), Fahrzeug-zu-Fahrzeug-Kommunikation und Abstandsmessung kann das EN-V Concept über den manuellen Modus hinaus auch völlig autonom fahren.

Ist das Fahrzeug autonom unterwegs, wählt es auf der Grundlage von Echtzeit-Verkehrsinformationen automatisch die schnellste Route. Kritische Stellen werden vermieden, so dass Staus nicht immer weiter wachsen können. Dazu können Fahrer und Beifahrer dank drahtloser Kommunikationseinrichtungen im EN-V während der Fahrt Kontakt mit Freunden oder Geschäftspartnern aufnehmen und pflegen.

Diese Kombination aus Sensor-Technologie, drahtloser Kommunikation und GPS-basierter Navigation könnte den Weg aus dem EN-V Concept in künftige Sicherheitssysteme finden.

Der Datenaustausch mit anderen Autos und den Verkehrseinrichtungen birgt ein enormes Unfallvermeidungs-Potenzial. Mit Hilfe von Sensoren und Kameras macht sich das EN-V ein Bild von der Umgebung und kann so sofort auf allfällige Hindernisse oder Veränderungen der Fahrbedingungen reagieren. Wenn beispielsweise ein Fußgänger Anstalten macht, vor dem Auto auf die Straße zu laufen, antizipiert EN-V, kommt so eher zum Stand und vermeidet einen Zusammenstoß – besser als das der Fahrer eines aktuellen Autos könnte.

GM gehört im Hinblick auf die Entwicklung autonomer Fahrzeugtechnologien zu den führenden Unternehmen und arbeitete diesbezüglich auch mit Studenten der Carnegie Mellon University in Pittsburgh, Pennsylvania, zusammen. Aus dieser Zusammenarbeit erwuchs „The Boss“, ein Chevrolet Tahoe, der schon 2007 autonom fuhr. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sind in das EN-V geflossen. Dieses Fahrzeug verschafft damit Menschen Zugang zu indvidueller Mobilität, die sonst kein Auto fahren könnten.

 „Das EN-V Concept ist ein Meilenstein im Bereich der Autonome-Fahrzeuge-Forschung“, verdeutlicht Alan Taub, Vizepräsident der GM Forschung und Entwicklung. „Die Bausteine, die die wir im EN-V vorangetrieben haben – ich nenne da nur den Spurhaltewarner, den Toter-Winkel-Assistenten und die adaptive Geschwindigkeitskontrolle – stellen bereits in aktuellen GM-Modellen ihre Serientauglichkeit unter Beweis.“

Das EN-V wurde in Bezug auf Geschwindigkeit und Reichweite auf die aktuellen Stadtverkehr-Verhältnisse hin ausgelegt. Das Elektromobil wiegt weniger als 500 Kilogramm und ist nur etwa 1,50 Meter lang. Dagegen bringt ein Alltagswagen von heute mehr als 1,5 Tonnen auf die Waage und ist dreimal so lang. Zudem benötigen diese Autos über zehn Quadratmeter Parkfläche, wo sie über 90 Prozent der Zeit stehen. Das weit kompaktere und viel wendigere EN-V beansprucht nur ein Fünftel dieses Raums.{mospagebreak}

Handlicheres, intelligenteres Design

Das EN-V gibt jedoch nicht nur die Richtung bei Effizienz und Technologie vor, es setzt auch neue Maßstäbe im Fahrzeug-Design. Mit Blick auf die die Premiere beauftragte GM seine Design-Teams rund um den Globus, Ideen zu entwickeln, wie die Mobilität der Zukunft aussehen könnte. Xiao (Lachen) entwarfen die australischen Holden-Designer, während GM Europa für Jiao (Stolz) verantwortlich zeichnet und Miao (Magie) aus dem GM-Design-Studio in Kalifornien stammt.

Jedes EN-V verfolgt ein eigenständiges Design-Thema, das die Flexibilität der Antriebsplattform demonstriert. Der jeweils eigene Charakter findet Ausdruck in den einzigartigen Zugangsmöglichkeiten, elegantem Interieur sowie innovativen Ideen bei Farb- und Lichtgestaltung sowie Sitztechnologie. Xiao hat durch die blaue Lackierung und das nautisch inspirierte Design eine fröhliche Erscheinung. Miao übernimmt viele Designmerkmale aus der Unterhaltungselektronik, wovon das schlanke, maskuline Aussehen zeugt. Die Designer nutzen das Miao darüber hinaus, um innovative Beleuchtungslösungen zu präsentieren; besondere Licht-Akzente setzen hierbei umfangreich verwendete LEDs. Hochgeschwindigkeitszüge und chinesische Opernmasken standen Pate für die klaren Linien und hellen Lackierungen des Jiao.

„Mit den ausgeprägten Innovationen des EN-V bei Technologie und Materialien tauchte das Design-Team in eine völlig neue Welt ein“, sagte Clay Dean, Director Advanced Design für GM Nordamerika. „Für die Leichtbaustrukturen, Materialien und integrierten Steuergeräte entwickelten wir einzigartige Oberflächenformen, die man so normalerweise nicht in der Automobilindustrie findet.“

Karosserie und Dach des EN-V bestehen aus Kohlefaser, speziell getöntem Lexan und Acryl, also Materialien, die man aufgrund ihrer Festigkeit und ihres geringen Gewichts eher in Rennwagen, Militärflugzeugen oder bei Raumschiffen verwendet. Durch die Arbeit mit diesen innovativen Materialien erhielten die Designer die großartige Chance, mehr über deren Eigenschaften zu erfahren und die Einsatzmöglichkeiten für künftige Automobilentwicklungen zu prüfen.

Die kompakten Maße des EN-V machen ihn zu einem idealen Transportmittel in dicht bevölkerten Städten. Hier kommen ihm insbesondere seine fortschrittliche Sicherheits- und Antriebstechnologie zugute. Wegweisende Ideen brauchen keine großen Verpackungen, wie das innovative Interieur-Design des EN-V beweist: Es sorgt für ein Maximum an Übersicht nach außen. Eine einfache Schnittstelle aktiviert Wi-Fi-basierte Technologien und stellt die Verbindung der Insassen mit der Außenwelt her.

 „Die Art und Weise, wie wir uns in Zukunft in Städten wie Shanghai fortbewegen, kann eine Kombination aus den besten Eigenschaften individueller Mobilität und öffentlichem Nahverkehr sein. Es gibt aber eine noch bessere Lösung: Sie heißt EN-V. Das Konzept zeigt, dass wir bereits heute das Wissen und die Fähigkeit haben, einen Weg zu finden, der Menschen fortbewegt und dabei nicht nur eine bessere Stadt schafft, sondern den Menschen ein angenehmeres Leben ermöglicht“, sagte Taub.

 Foto (c) GM

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