IMG 1459 Polestar 2 150Den Polestar 2 hatten wir schon in der Winter-Erprobung – zwar nicht in Finnland, aber das Wetter war ähnlich: minus 10 Grad, 25 Zentimeter Neuschnee und das im Emsland mit Golfstromklima. Daher freuen wir uns sehr, zu testen, wie der Polestar 2 im „Sommer“ abschneidet.

 

Fakten, fahren, laden und an den Leser denken

1 IMG 1451In Analogie zum Focus (Helmut Markwort): Fakten, Fakten, Fakten und an den Leser denken. Na ja, so richtig Sommer war es noch nicht: aber immerhin meistens über 10, oft 15 bis 19 Grad. Nur morgens war es manchmal ziemlich frisch mit etwa 5 bis 6 Grad. In diesem Fahrbericht brauchen wir nicht auf die allgemeinen Dinge eingehen; es geht im Schwerpunkt um die Fragen:

  • Wie ist der Verbrauch im Vergleich zum Winter?
  • Wie ist die Ladefähigkeit?
  • Wie funktioniert Spotify und A Better Routen Planer?
  • Wie gut schlägt er sich, wenn wirkliche Long-Runs zu bewältigen sind?

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Dann mal los

Unser nächstes privates Fahrzeug wird ein eAuto. Das ist sicher. Der Polestar 2 ist da ganz oben auf unserer Wunschliste. In der groben Planung ist es der Polestar 2 als Long Range Single Motor mit 231 PS, mit großer 78 kWh Batterie und einer Reichweite von zirka 500 Kilometern. Wenn man so mit 408 PS unterwegs ist und auf der Landstraße mal überholen muss, denkt man: hoffentlich habe ich am Ende nicht an der falschen Stelle gespart? Der Aufpreis beträgt etwa 3.000 Euro gegenüber dem Long Range Single Motor.

Den Polestar mit dem „kleinen Motor“ werden wir vielleicht im Herbst vorstellen dürfen.

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Polestar 2
als Long Range Single Motor   

44.930 Euro

Sonderfarbe

1.000 Euro

Plus Paket

4.500 Euro

Pilot Paket

3.500 Euro

Summe

53.930 Euro

Umweltprämie

 - 7.500 Euro

Kaufpreis

46.430 Euro

Daten & Fakten

Siehe Fahrbericht Winter (LINK). Es gibt ja jetzt noch eine weitere Spezifikation des Polestars mit einem schwächeren Motor und ohne Allrad; jeweils mit einer kleinen 64 kWh oder großen 78 kWh Batterie. Wobei 224 PS ist ja nun nicht wirklich „schwach“ (s.a. Polestar 2 – Dreimal gut).

Ausstattung, siehe Fahrbericht – Polestar 2

Der Polestar im Alltag

Auch hier können wir uns kurzfassen und im Wesentlichen auf das Laden, die Neuerungen in punkto Spotify und A Better Routenplaner eingehen.

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Lademeister

3 IMG 1430Laden hat durchweg gut geklappt. Es gab Gerüchte, dass der Polestar 2 Probleme mit IONITY hatte. Haben wir im Winter auch einmal erlebt. Jetzt hatten wir an einer freigegeben IONITY Säule (leichtet grün) auch einmal keine Ladung erlebt. Die Ladesäule wurde gewechselt; dann war alles okay. Beim nächsten Versuch bekamen wir auch keinen Strom. Haben das Fahrzeug noch einmal gestartet und dann den Stecker „mit Schwung“ eingesteckt und noch einmal nach oben und unten gedrückt. Mit dieser Methode waren wir dann immer erfolgreich.

Zur Ladeleistung kann man feststellen, dass wir die 150 kW tatsächlich einmal auch kurz gesehen haben. Ansonsten war die Ladeleistung bei etwa 120 kW – wurde aber schon ab etwa 50% abgeregelt. Aber in ungefähr 20 Minuten auf 200 Kilometer Reichweite zu kommen ist schon eine gute Leistung.

Ein Kollege hat berichtet, dass der Polestar 2 (vielleicht mit neuer Software) über einen längeren Zeitraum mit über 160 kW geladen hat. Gerüchte: auch Ford schraubt an der Ladekurve. In Hilden wurde ein Testingenieur mit einem Mach-E gesichtet, der auch deutlich jenseits von 160 kW geladen hat.

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Laden at home

Wann immer es sinnvoll war, haben wir zu Hause geladen. Wie schon oft erwähnt, ist man erst überrascht, wenn man die Information bekommt „bis 100% in 36 Stunden“. Aber über Nacht sammelt man so genug Reichweite, dass es in der Regel für den nächsten Tag reicht. Und meist ist der Polestar 2 dann nach wenigen Tagen laden wieder bei 100%.

Navigation und A Better Routen Planer

IMG 1459 laden h 250Cool, endlich ist auch A Better Routen Planer (ABRP) verfügbar. Im Testwagen musste die App erst einmal installiert werden. Dazu unten im Display, in der Mitte den Google Playstore aufrufen und ABRP installieren. Wir haben regelmäßig beide Tools parallel laufen lassen. Kurios: wir haben in Vorbereitung auf die Reise nach Stuttgart die Strecke vom Laptop aus geplant und als Ausdruck mitgenommen. Im Auto wurden dann andere Ladestationen vorgeschlagen.

Die Navigation mit Google Maps hat sich – meiner Meinung nach – im Vergleich zum Wintertest verbessert. Maps zeigt ja an, mit wieviel Prozent SoC man am Lader ankommt. So hat man immer im Blick, auch sicher anzukommen. ABRP schlägt dann vor, wie lange man dort laden muss. Wir haben meistens etwas länger geladen, um Reserven zu haben, aber oft ab 80% aufgehört.

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Spotify

Spotify ist sehr cool. Er findet mit 95% Wahrscheinlichkeit auch die richtigen Songs. Wenn man nur auffordert: „OK, Google, spiele Lieder von den Beatles“, spielt er gleich das gesamte Repertoire. Wir haben es nicht geschafft, eine eigene Playliste zu erstellen. Dazu muss man vielleicht mit dem eigenen Google-Konto oder Spotify angemeldet sein.

Long-Run

Jetzt zum Schwerpunkt: wir haben zum „Üben“ den Polestar Store Düsseldorf besucht (inklusive Ladepark Hilden). Weiterhin waren wir in Köln und als Höhepunkt in Stuttgart.

5 IMG 1480 PapenburgPapenburg (hin und zurück) 200 Kilometer wäre ohne Ladestopp möglich. Aber da wir nicht komplett aufgeladen losgefahren sind, kamen wir in Papenburg mit 38% und 150 km Reichweite an. Der Rückweg über die Landstraße hätte das gereicht. Aber das Laden beim EDEKA in der Nähe Stadtmitte war gut. In 2 Stunden haben wir 110 km Reichweite aufgeladen. Es hat perfekt gereicht. Wäre unsere Heimreise länger gewesen, wäre ein 22-kW-Onboard-Lader cool und hätte dann sogar 220 km gebracht!

Düsseldorf (hin und zurück) mit etwa 300 Kilometern: die Strecke hätten wir auch ohne Ladestopp geschafft. Aber da man persönlich auch mal „aufladen“ muss, haben wir einen Schnelllader mit „Futterkrippe“ gesucht. Der Polestar Store war ganz cool mit vier Ladesäulen (alle besetzt). Aber wegen Corona war der Store zu. Probefahrten können aber gebucht werden.

IMG 1629 Polestar Duesseldorf

Hilden ist natürlich ein Erlebnis. Lohnt sich auf jeden Fall, weil man dort auch vom Bäcker Schüren gut versorgt wird. Überdachte Ladesäulen sollten der Standard sein. Da wir natürlich in Hilden geladen haben, konnte wir auf der Rückfahrt auch mal die 210 km/h genießen.

Köln (hin und zurück) 400 Kilometer: da brauchen wir natürlich einen Ladestopp. Geplant war ein Stopp beim Aldi Süd mit Lader, weil: wenn man die Chance hat Weißwürstchen einzukaufen, müssen wir diese auch nutzen. Laden war Fehlanzeige. Ich habe dann auf dem Rückweg zielgerichtet eine IONITY Ladestation angesteuert.

IMG 1641 Hilden

Fahrt nach Stuttgart

Stuttgart (hin und zurück 1.100 km) war der Höhepunkt. Wie auch schon mehrfach erwähnt, bereiten wir diese Fahrt mit ABRP vor.

Wegpunkt

SoC Ankunft %

SoC Abfahrt %

Ladezeit min

Distanz km

Fahrtdauer h

Ankunft

Home

 

90

 

226

2:04

 

Bad Honnef

12

61

20

151

1:21

 

A67 Raststätte Pfungstadt  
WestEnBW

10

65

23

167

1:38

 

Stuttgart Bad Cannstadt

10

         

133,4 kWh

   

43

544

5:04

5:48

4 Polestar MB MuseumWenn das so klappt, wären wir in zirka 6 Stunden mit nur etwa 45 Minuten laden in Stuttgart. Das wäre optimal. Wir navigieren parallel mit Google Maps und ABRP. Maps schlägt auch zwei Ladestopps vor. Das Gute: man bekommt immer die Information mit wieviel Prozent man am Lader ankommt. Da wir ständig so zwischen 120 bis 130 km/h unterwegs sind und nur während des Überholens mal 140 km/h fahren, steigt die Angabe für SoC. Wir sind also sparsamer unterwegs als geplant.

Wir laden bei IONITY mit maximal 90 kW; laden von 36% auf 80% in 36 Minuten. Essen unser Brot, trinken Wasser, hören via Spotify Musik. Entspannt geht es weiter zum EnBW Lader (300 kW); Ankunft 36%, 140 km Reichweite. Leider hatten wir noch einen Stau mit Stopp-and-Go von etwa einer Stunde.

5 IMG 0139 105 kWAm IONITY saugen wir mit maximal 80 kW. 36% bis 70%, zusätzliche Reichweite 160 km in 23 Minuten. Wir kommen mit einer Reichweite von 80 Kilometern an. In Stuttgart dann noch zu einem Kollegen (hin und zurück) 30 km. Mit nur 50 km Reichweite im „Tank“ wäre ich früher nervös geworden. Jetzt bleibe ich cool, hab Vertrauen zum Polestar 2. Am nächsten Tag ging es zum Corona-Schnelltest und weiter zum Mercedes-Benz-Museum. Ankunft dort mit 40 km.

Am Museum konnte ich etwa 8 Stunden kostenlos laden (parken für 15 Euro) und bin fast voll geladen zum Hotel.

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Für die Rückfahrt bekommen wir die folgenden Daten:

Wegpunkt

SoC Ankunft %

SoC Abfahrt %

Ladezeit min

Distanz km

Fahrtdauer h

Ankunft

Stuttgart Bad Cannstadt  

 

90

 

192

1:54

 

Shell Rugbyrin (EnBW

28

66

19

160

1:24

 

Königsforst Ost E.ON

10

73

31

191

1:40

 

Home

10

         

131,9 kWh

   

50

543

4:59

5:49

IMG 1429 h 250Auf der Rückfahrt laden wir dann am 300 kW-Lader; Ankunft mit 17% und 65 km, maximal geladen wird mit 148 kW, ab 65% mit 65 kW; 205 km geladen in 26 Minuten. Kurios: wir laden in Nettershausen Bottrop (das war so geplant), weil kein Schild vorhanden ist. Ankunft mit 22% und 90 km. Maximal mit 102 kW geladen. 130 km Reichweite in 15 Minuten geladen. Ankunft zu Hause mit 18% und 65 km. Die Rückfahrt war perfekt mit nur etwa 45 Minuten Ladezeit.

Zwischenfazit Long-Run: Strecken von 500 Kilometern und mehr verlieren ihren Schrecken. Zwei Pausen, verteilt auf eine Strecke von 550 km passt zum Thema „Entschleunigung“. Einmal Hamburg – München ohne Stopp sollte man auch nicht mit einem Diesel fahren. Die Schnellader stehen mittlerweile im Abstand von etwa 80 Kilometern an den Raststätten oder Autohöfen. Drosselung ab 80 oder 85% Prozent ist okay. Der Polestar sollte aber schauen, dass ab 20% Kapazität stabil Strom mit mehr als 120 oder 130 kW fließt. Die Mittbewerber arbeiten daran.

Kraftstoffverbrauch

Klar ist, im Winter verbrauchen eAutos deutlich mehr in Relation zum Verbrenner. In der Twitter Community sagen die Experten: Reichweite minus Mehrwertsteuer. Klar ist, dass für das Wärmen des Innenraums, Sitzheizung und Batterie Strom verbraucht wird. Auch für den optimalen Ladevorgang sollten die Batterien vorgeheizt sein. Tesla kann es; Polestar hoffentlich bald auch.

So testen wir auf der aom-Vergleichsrunde.

Modus 

Strecke [km]

Geschw. [km/h]

Verbrauch [l/100km]

aom-
Vergleichsrunde

55

73

20,2

Super-Spar

15

52
65

17,0
18,7

Landstraße sparsam  

73

46

17,2

Landstraße sportlich

35

85

25,1

Landstraße 1

60

64

18,4

Landstraße 2

60

61

16,8

BAB 100

26

95

19,3

BAB 130

26

116

24,4

Stadt

16

31

15,2

Pendler

30

40

16,3

Langzeit

869

77

23,3

Ladestopps s. Ladehistorie

Testverbrauch nach 2.995 km, ca. 70 km/h, ca. 23,5 kWh/100 km

Vergleich Winter – Sommer

1 IMG 0089 Polestar2Klar war, dass ein Elektroauto im Winter mehr Strom benötigt als im Sommer. Deutlich wird das auch an dem eher schlechten Ergebnis bei der aom-Runde im Sommer mit 20,2 kWh/100 km. Morgens war es mit 5 bis 6 Grad doch ziemlich „winterlich“ und mit der kleinen Aufwärmrunde von nur 3 bis 4 km waren die Batterien nicht wirklich auf Betriebstemperatur. Wären wir die Runde noch einmal gefahren, wären wir sicher bei etwa 19 kWh/100 km gelandet.

Modus 

Winter [kWh/100km]

Sommer [kWh/100km]

aom-
Vergleichsrunde

24,6

20,2

Super-Spar

23,4
20,3

17,0
18,7

Landstraße sparsam  

22,2

17,2

Landstraße sportlich

24,6

25,1

Landstraße 1

22,7

18,4

Landstraße 2

22,1

16,8

BAB80

21,7

-

BAB 100

21,6

19,3

BAB 130

31,5

24,4

BAB normal
(Landstraße)

22,4

-

Stadt

22,6

15,2

Pendler

22,1

16,3

Ladestopps s. Ladehistorie

 

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Pro & Contra

+  

Cooles, frisches eAuto

mit Power und ausreichend Reichweite.

+

Neu: Spotify, ABRP und Over-the-Air (OTA) Updates

-

Kein längeres DC-Laden > 130 kW,

nur 11 kW-AC-Laden

Fazit

6 IMG 1697 Laden EnBWDer Polestar 2 ist ein sehr cooles Elektroauto mit dem Zeug zum Bestseller. Das Preisleistungsverhältnis ist fair und ich war ja der Meinung, der „kleine“ Motor mit „nur“ 231 PS und großer Batterie 78 kWh würde reichen. Aber für „nur“ 3.000 Euro mehr bekommt man über 70 PS mehr. Als Elektromobilist ist man ja meist eher sparsam und mit leichtem eGas-Fuß unterwegs. Aber wenn man dann doch mal überholen muss, sind 408 PS einfach genial. Vielleicht können wir im Herbst mal den Single-Motor mit der kleinen 64 kWh und 224 PS vorstellen; Reichweite: immerhin zirka 400 km; Preis 41.930 Euro. Und da gehen dann noch 9.000 Euro Umweltprämie ab.

Ausblick

Das nächste Auto im Test ist der 7,5 Tonner Fuso eCanter. Über 100 Kilometer Reichweite werden versprochen. Und das ist eine gute Hausnummer für die Anlieferung auf der letzten Meile. Dann wird es eher „zierlich“. Der Renault Twingo Elektro will mit nur 24.000 Euro (minus Umweltprämie!) den City-Flitzer-Markt von unten aufmischen. Nur der Dacia Spring (geplant für den Herbst 2021) wird noch günstiger sein.

2021 elektrisiert weiter. Der Mercedes-Benz EQV und der Volvo XC40 Elektro sind bereits gesichert zum Testen!

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Fotos © 2021 Redaktionsbüro Kebschull

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