IAA Daimler 150Kraniche gehören nicht nur zu den größten, sondern auch zu den faszinierendsten Vögeln Europas. Jedes Jahr kündigen sie auf ihrem Weg von ihren Winterquartieren im Süden auf dem Weg in den Norden den Frühling an und später im Jahr auf ihrem Rückweg den Herbst. Als Vogel des Glücks wird er auch bezeichnet und gilt als lebenslang treu.

Der Kranich ist ein Symbol des Glücks

  • be a mover talk mit Dr. Günter Nowald vom Kranichschutz Deutschland
  • Der „be a mover talk“ mit Jörg Howe ist ein Gesprächsformat, bei dem Gäste interviewt werden, die etwas Positives in der Welt bewegen.
  • Das Format läuft auf YouTube: https://youtu.be/gIcWNHIsGgA 

 MG 4295 h 250Die Population stand in Europa in der Vergangenheit bereits kurz vor dem Aussterben. Auch wenn sich die Bestände inzwischen erholt haben, ist die Zukunft ungewiss. Die Tiere brauchen Feuchtgebiete entlang ihrer Zugwege und speziell an ihren Nistplätzen, um sich zu vermehren. Der Kranichschutz Deutschland hat sich zur Aufgabe gemacht, die eleganten Vögel zu schützen. Für seine Arbeit ist der Verein auf Unterstützung angewiesen. Als größter Nutzfahrzeughersteller mit globaler Reichweite bringt sich Daimler Truck finanziell in das Projekt ein. Für Jörg Howe, Leiter der globalen Kommunikation und politischer Außenbeziehungen bei Daimler Truck, war das der Grund, Dr. Günter Nowald, den Leiter des Kranichschutzzentrums, zu besuchen und im Rahmen eines be a mover talks zu interviewen.

Etwa eine halbe Autostunde über malerische Landschaften liegt zwischen Stralsund und dem Kranorama. Dabei handelt es sich um einen zweigeschossigen Aussichtspunkt in direkter Nähe zu einer der bedeutendsten Rastregionen in Europa. Hier trifft sich Jörg Howe kurz nach Sonnenaufgang mit Dr. Günter Nowald. Frühs ist die beste Zeit, um die Tiere zu beobachten. Mehrere tausend Vögel haben noch wenige Tage vorher auf den Wiesen Kraft für die weitere Reise gesammelt. Jetzt sieht es zunächst ruhig aus, doch nach wenigen Minuten erklingen die markanten Rufe der Kraniche über dem Kranorama. Günter Nowald gilt international als gefragter Experte für die Zugvögel. Warum das so ist, wird bereits kurz nach der Begrüßung deutlich: Er erzählt begeistert, während beide mit ihren Ferngläsern eine Kranichfamilie beobachten, die gerade auf dem Gras vor dem Kranorama gelandet ist.

„Wenn man einmal in die Spur des Kranichs gekommen ist, dann folgt man ihm ein Leben lang“, sagt der Kranichschützer, der nach seinem Ingenieursstudium ein Diplom in Biologie gemacht hat. Der Kranich ist der auffälligste Zugvogel. Bei seinen langen Reisen legt er beeindruckende Strecken zurück. „Ein Kranich, der aus dem Norden Schwedens kommt und in Südspanien überwintert, der wird in 30 Jahren inklusive der Nahrungsflüge auf eine halbe Million Kilometer kommen. Das finde ich unglaublich.“

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Es git nur 15 Kranicharten

Von den weltweit 15 Kranicharten sind zehn aktuell äußert bedroht, wie der Biologe weiß. Für die Arbeit des Vereins, die bis nach Tansania reicht, sind deswegen Spendengelder und die Unterstützung durch Unternehmen wie Daimler Truck essenziell. Auch in Europa sind dafür Maßnahmen dringend erforderlich, denn die Kraniche haben nicht genug Nachwuchs, um die Population mindestens stabil zu halten.

„Modelle zeigen, dass der Kranich in Europa in einer Dekade ausgestorben sein könnte. Kraniche können sehr alt werden, deswegen sehen wir die Entwicklungen erst zeitversetzt.“ erläuert Günter Nowald Jörg Howe.

Es gehen immer mehr Feuchtwiesen und Moore verloren, die für Wandervogel lebenswichtig sind, hier können sie ihre Gelege und die Jungvögel vor Fressfeinden wie dem Fuchs verstecken. Bei der Austrocknung ehemals feuchter Böden entweicht außerdem viel Klimagas in die Atmosphäre.

Der Kranichschutz Deutschland setzt sich aktiv für den Schutz von Feuchtgebieten ein. In direkter Nachbarschaft zum Kranorama soll dafür beispielsweise der Grundwasserpegel erhöht werden. Für solche Naturschutzprojekte müssen zunächst die Besitzverhältnisse der Fläche geklärt und dann entsprechende Maßnahmen genehmigt und finanziert werden. Dieser Prozess ist langwierig, aber lohnenswert und ein Paradebeispiel dafür, wie Arten- und Klimaschutz miteinander verbunden werden kann.

Mit den zahlreichen Bauern in der Nähe des Kranorama wurde bereits eine gute Form der Koexistenz gefunden. Eigentlich lieben die Kraniche, die Allesfresser sind, das frische Saatgut.

„Wir haben hier mit den Landwirten ein sehr gutes Modell gefunden. Eine Hand wäscht die andere“.

Günter Nowald und sein Team sind in den Morgenstunden auf den Feldern in der Umgebung unterwegs, um die Tiere zu den Feuchtwiesen beim Kranorama umzuleiten. Die Nachbarn hingegen unterstützen den Kranichschutz mit der Fütterung und der Bewirtschaftung des Schutzgebietes.

Für die Arbeit des Vereins sind auch die vielen freiwilligen Helfer entscheidend. Diese sogenannten Kranichranger kommen aus dem ganzen Bundesgebiet. Viele Menschen nutzen ihren Urlaub für den Tierschutz. Ob der Kranichschutz denn für Bewerbungen offen sei, erkundigt sich Jörg Howe:

„Herzlich gerne! Grad im Naturschutz können wir immer Unterstützung sehr gut gebrauchen.“

Trotz aller Herausforderungen, Günter Nowald bleibt optimistisch. Bei den Naturschutzgesetzen in Europa hat sich viel getan. Durch die Grundlagenforschung des Kranichschutzzentrums kann gegengesteuert werden, falls es negative Indikatoren für die Population des Glücksvogels gibt. Zum Abschluss fragt Jörg Howe, was sich Günter Nowald von Unternehmen wie Daimler Truck erhofft.

„Für mich wäre es toll, wenn diese fruchtbare Zusammenarbeit weiterläuft, bis weit in die Zukunft hinein.“

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Fotos (c) Daimler Truck (c) Redaktionsbüro Kebschull

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