MG 3487 Driving Exp 150Der Hyundai i30N ist ein richtig cooler und „junger Wilder“: 275 PS, mit Sport- und N-Mode, da geht was. Allein der Sound sorgt schon für Gänsehaut pur. Den mal in einer Extremsituation, vielleicht sogar auf der Rennstrecke zu erleben, wäre der Hammer. Geht das? Die Zauberworte heißen Hyundai Driving Experience. Wir waren zwei Tage vor Ort.

Seit 2017 in der „Probephase“

1 MG 3355Eines muss man Hyundai ja lassen: die lamentieren nicht, die machen! Hier am Beispiel Wasserstoffautos: während die deutschen Hersteller mit staatlicher Unterstützung etwas „herumgebastelt“ haben und jetzt endlich in Kleinserie den Mercedes-Benz GLC FuelCell gebracht haben, kann man bei Hyundai die Wasserstoffautos bereits kaufen. Anders auch bei Hyundai: zwei Wasserstoff-Fahrzeuge sind bereits in Serie (Hyundai Nexo 2020) und den Hyundai ix35 Fuel Cell hatten wir schon vor drei Jahren im Test.

Ein weiteres Beispiel: Elektroautos. Mit dem Hyundai IONIQ Elektro und den Hyundai Kona Elektro sind bereits zwei Topp-Autos seit Jahren fertig. Das nächste Auto, der Hyundai Elektro-Konzept『45, wird vermutlich 2021 kommen.

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Und jetzt kommt das Angebot: Rennsport für „Normalsterbliche“.

  • Alle Infos, Preise zum Hyundai Driving Experience gibt es hier.

Hier sind ein paar coole Video zur Veranstaltung:

Weitere Videos werden mit Sicherheit bald folgen, denn die Blogger-Szene und alle wichtigen YouTuber war natürlich eingeladen.

Unser Instructor Lars Mysliwietz

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Sitz einstellen

Aber jetzt zur Hyundai Driving Experience. Ich habe vor etwa 15 Jahren mal ein Fahrertraining mit unserem Audi TT gemacht. Seitdem stelle ich meinen Sitz immer richtig ein: Lehne senkrecht, der Abstand zum Lenkrad muss so sein, dass man die Handgelenke auf das Lenkrad legen kann. Sieht irgendwie nicht so lässig aus, ist aber extrem wichtig, weil man nur so schnell lenken und effektiv (knallhart) bremsen kann. Außerdem wird im Falle eines Auffahrunfalls die Gefahr einer Beinverletzung reduziert. Ganz wichtig ist auch, den Gurt noch einmal nach zu spannen. Die Sitzhöhe muss man so einstellen, dass man drei bis vier Finger von Kopf bis zum Dachhimmel als Abstand hat. Die Kopfstütze muss mindestens so hoch sein, dass die obere Linie der Kopfstütze auf Augenhöhe ist.

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Der Hyundai i30N Fastback

Für jeden Teilnehmer gibt es ein Auto für den ganzen Tag. Entweder einen i30N oder den Hyundai i30 Fastback N. Ich habe einen Fastback bekommen. Beide Fahrzeuge haben 275 PS und sind technisch identisch. Der erste Eindruck: Wow, ein echter Sportler, gute Sportsitze, knackiges Getriebe und im Sportmodus ein cooler Sound. Es ist ja „nur“ ein 4-Zylinder Turbo. Aber Hyundai hat ja eine große  Motorsportabteilung und ist sehr erfolgreich im Ralley-Sport. Die kennen die Stellschrauben, um ein Auto perfekt für die Rennstrecke abzustimmen.

Die erste Runde

Unser Instructor Lars Mysliwietz ist ist uns per Funk im Auto ständig zugeschaltet. Er kann so korrigierend eingreifen und hat seine Gruppe von 10 Fahrzeugen gut im Griff. Das ist wichtig. Ich war vor der Veranstaltung etwas nervös – aber Adrenalin ist wichtig, um sensibel für die Situation zu sein. Hoffentlich geht es nicht zu wild auf der Rennstrecke zu.

2 MG 3360Die Bedenken wurden sofort zerstreut. Es wird nicht überholt! Positionswechsel nur nach Aufforderung. Die N-Taste und ESP (ESC) sind tabu! Ohne ESC wäre ich sowieso nicht unterwegs gewesen. Man muss sein Grenzen kennen – und die kenne ich.

Die erste Runde wurde sinnvollerweise sehr moderat angegangen, um den Bilster Berg kennen zu lernen. Es fühlt sich an wie der Nürburgring. Schnelle rechts-links Kurven, Kuppeln, auch mal eine Gerade, um mal bis in den vierten Gang zu schalten. So nach und nach entspanne ich mich etwas. Bleibe aber weiter wachsam. Der i30N ist sehr cool, macht Spaß ohne Ende. Vor allem der Sound. Die i30N-Fans nennen es Popcorn.

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Slalom

Weiter geht es zur nächsten Übung: Slalom. Wir bekommen eine kurze Einweisung, die Bedeutung der blauen und roten Hütchen erklärt und schon geht es los, eine Proberunde zu fahren. Der i30N fühlt sich sehr gut an, lenkt sauber ein, gibt gute Rückmeldung. Die zweite Runde wird dann auf Zeit gefahren. Aber erst einmal nicht übertreiben. Man will ja auch nicht als einziger die Hütchen „wegsemmeln“.

3 MG 3362Die Zeit weiß ich nicht mehr genau. Aber ich lag wohl eher auf den hinteren Plätzen. Ist vielleicht nicht so wichtig, aber Wettbewerb bleibt Wettbewerb. Da will man doch mal wenigstens eine Verbesserung erreichen. Und richtig, die nächste Runde war ich etwa 3-4 Sekunden schneller. Das „Gemeine“ war allerdings: kurz nach dem Ziel stehen die runden End-Hütchen. Bis da muss man bremsen. Wir üben daher auch ständig Vollbremsungen und das finde ich richtig, richtig gut.

Meine Prognose: Mindestens 80 % der Autofahrer haben noch nie eine „richtige“ Vollbremsung gemacht. Da muss man so in die „Eisen“, dass man das Gefühl hat, das Bremspedal bricht ab. Zurück zum Slalom: Bremst man zu früh, verliert man Zeit; bremst man zu spät und kommt nicht vor den Hütchen zum Stehen, die das Ende des Parcours anzeigen, gibt es fünf Strafsekunden.  Bei meiner letzten Runde war ich wohl zu ambitioniert, bin gut durch den Parcours – aber nicht rechtzeitig zum Stehen gekommen: Habe natürlich fünf Straf-Sekunden kassiert. Egal, ob ich jetzt siebenter oder zehnter war: ich habe wieder eine Menge gelernt und jede Menge Spaß gehabt.

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Ausweichen und bremsen

4 MG 3493Nun kommt eine weitere Übung mit folgender Situation: Vor uns fährt ein LKW und verliert Ladung. Der Bremsweg reicht nicht, also muss man links ausweichen und dann eine Vollbremsung hinlegen. Die Übung ist jetzt eine schnelle links, rechts Kombination mit einschließender Vollbremsung. Die Straße ist noch nass. Wir fangen mit 80 km/h an.

Mit Schwung starten. Erster, zweiter, dritter Gang; jetzt volle Konzentration, links (Lenkrad auf 1/7), rechts (5/11) und dann Vollbremsung. Puh, geschafft aber 80 km/h ist eigentlich schnell genug.

Im nächsten Durchgang wollen wir mit 90 km/h fahren. So richtig gut war das nicht, aber am Ende habe ich es geschafft. Letzter Durchgang: mit 95 km/h wollen wir es meistern. Prompt mindestens drei Hüttchen „abgeräumt“. Gott sei Dank, war ich nicht der einzige. Die "Stars" in unserer Gruppe sind den Parcours mit 105 km/h fehlerlos gefahren. Respekt. In einer anderen Gruppe stand der Rekord auf 118 km/h – allerdings auch mit dem Ergebnis, dass alle Hütchen sauber „weggefegt“ wurden. Lerneffekt: Die Grenze zwischen, "gerade noch gemeistert" und „Abflug“ sind manchmal sehr schmal.

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180 Grad Wende

5 MG 3407Kann der i30N eine 180 Grad Wende? Ja, er kann – und wie. Zur Einstimmung durften immer drei Teilnehmer mit Lars Mysliwietzist mitfahren. Puh, da verliert man schon als Beifahrer die Orientierung und man muss aufpassen, dass man mit dem Kopf nicht irgendwo anschlägt.

Ein Teilnehmer in der Truppe hat gesagt: das muss ich nicht haben. Muss ich zwar auch nicht unbedingt, aber wenigstens einmal probieren. Ich versuche mein Glück:

Also fahre ich rückwärts mit etwa 40 km/h den Berg runter und dann mit dem Lenkrad entweder rechts oder links schnell lenken, bis zum Anschlag. Der i30N macht dann brav die 180 Grad Wende. Danach den zweiten Gang einlegen und zügig weiterfahren. Soweit der Plan. Bei mir sah das dann so aus, dass ich nach der 180 Grad Wende (hat geklappt) erst einmal gebremst haben, kurz orientiert - dann erster Gang und runter „vom Hof“. Einmal reicht. Die anderen Teilnehmer hatten aber sichtlich Spaß daran. 

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Pause

Natürlich gibt es zwischendurch mal eine kurze Kaffeepause. Auch die Mittagspause war wichtig, da die Anspannung und Konzentration über den Tag schon sehr hoch ist. Nach einer leckeren Stärkung ging es dann nach etwa einer Stunde zum Endspurt.

Der Kona kann Kurven

Kona 350Zwischendurch haben wir mal das Fahrzeug gewechselt und sind mit dem Hyundai Kona Elektro auf die Slalomrunde. Natürlich war das ein ganz anderes Gefühl. Der Kona ist ja mehr SUV als Sportwagen. Als Elektroauto relativ schwer und auf schmalen Pneus unterwegs. Aber der Kona kann Kurven, weil der Schwerpunkt sehr tief ist und mit 204 PS ist er ja auch kein Langeweiler. Auch der Kona hat einen Sportmodus. Mit quietschen Reifen hat auch diese Übung mächtig Spaß gemacht. Und natürlich ging es wieder auf Zeit – und auch hier haben wir uns alle Schritt für Schritt verbessert.

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Rennmodus und Ideallinie

Höhepunkte waren natürlich die Runden über den Bilster Berg. In der ersten Runde wurde gemütlich erklärt, wie man die Ideallinie fährt. Für uns Anfänger gibt es dafür rote Signalpunkte am Rand der Strecke, die man immer anfahren muss.

Die nächste Runde wurde schon etwas flotter. Das macht richtig Spaß und man bekommt von Kurve zu Kurve mehr Vertrauen in das Auto. Es sind immer nur fünf Fahrzeuge auf der Strecke. Damit jeder Teilnehmer in den Genuss kommt, direkt hinter Lars Mysliwietzist herfahren zu können, wird von vorne nach hinten gewechselt. „Jetzt bitte wechseln“, kommt die Anweisung von Lars. Das zweite Fahrzeug setzt den Blinker und fährt nach links, damit die anderen überholen können und das ausscherende Fahrzeug sortiert sich dann hinten wieder ein.

„Gerd, versuche mehr, die Ideallinie zu treffen“, kommt die Aufforderung von Lars. Dann mal los, volle Konzentration. Vor der Kurve kurz anbremsen und mit Schwung rein in die Kurve. Jetzt eine schnelle Rechts-Links-Kurve und mit Schwung in eine recht scharfe Linkskurve, in die ich mich reinbremsen muss. Das war vermutlich nicht ideal, aber der i30N verzeiht mir den Fehler, so dass ich dann auf der langen Geraden Vollgas geben kann und mit etwa 140 km/h vor der Kurve in den dritten Gang herunterschalte, anbremse und mit Schwung wieder raus. Das hat sich jetzt gut angefühlt. Der i30N hat vielleicht etwas untersteuert; es fühlt sich aber gut an. Wir waren nicht in einem Grenzbereich.

Am Ende hat man das Gefühl schon deutlich schneller unterwegs zu sein. Aber auch jetzt vorsichtig! Der i30N hilft, wo er kann. Aber es gibt Grenzen – und die wollten wir alle nicht wirklich ausloten. Am Ende zehn glückliche und auch ziemlich erschöpfte Teilnehmer. Wir haben ordentlich Gummi auf der Rennstrecke gelassen. Die Hankook Pneus sind übrigens erste Sahne. So muss es sei. Ebenfalls sehr wichtig: kein Unfall, keine Beschädigung am Auto und keiner ist im Kiesbett gelandet. Auch dafür ein herzliches Dankeschön an Lars Mysliwietzist.

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Fazit

Ein einmaliges Erlebnis. Wir haben alle eine Menge gelernt. Wir sind jetzt in der Lage, kritische Situationen deutlich besser zu meistern. Wir haben aber auch gelernt, dass der Grat zwischen „das haben wir noch im Griff“ und Abflug sehr eng sein kann. Übrigens: so ein Hyundai Driving Experience Event eignet sich natürlich bestens auch als Geschenk für Menschen mit "Benzin im Blut" und bis Weihnachten ist ja nicht mehr lang.

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Fotos © 2020 Redaktionsbüro Kebschull

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