IMG 0278 e tron GT 150Der Autokauf ist totale Vertrauenssache – und die deutschen Autokäufer sind treu. Oft sogar über Generationen. Anders kann man es nicht erklären, wie Volkswagen beispielsweise aus dem Diesel-Skandal einigermaßen unbeschadet herausgekommen ist. Volkswagen hat, trotz Milliarden an Schaden-Zahlungen und auch Covid, immer noch schwarze Zahlen geschrieben.

 

Autokauf – gegen den Trend?

IMG 0779 GT4 350Wir schreiben das Jahr 1973: mein erstes Auto war ein VW Käfer 1200, 34 PS, etwa 8 Jahre „jung“. Geliebäugelt habe ich damals mit einem Fiat 850 Sport. Dieser hatte nämlich Sportsitze und war irgendwie mehr auf „Lifestyle“. Mein Vater war entsetzt und die Vernunft (mein Vater?) hat gesiegt. Es wurde eine VW Käfer. Der Nachfolger kam dann Mitte ‘75: der vom Vater „ausrangierte“ Mercedes 200. Weiter ging es mit einem Citroën GS, weil er preiswert und fast neu war. Mit dem Honda Accord bekam ich das erste Neufahrzeug als Re-Import. Der erste Traumwagen: ein Jahreswagen Mercedes 190D. Dann kam ein 250D, danach ein Audi A6. Als Zweitwagen kam erst ein Opel Kadett, Seat Marbella (neu), ein Golf 3 Diesel, dann der Audi A4. Zwischendurch fuhren wir mal einen BMW 320, dann BMW 325 TDS und auch Porsche 944. Sehr cool waren der Audi TT (fast neu), BMW 320 Cabrio, BMW 4er Grand Coupé. Und jetzt...?

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Verbrenner oder eAuto?

IMG 4906-vw-eup-350Als Autotester sind wir jetzt schon mehr als zehn Jahre unterwegs. Vom VW up!, über Lamborghini, Ferrari, Porsche Turbo – wir sind alles gefahren. Das teuerste Auto war eine Mercedes-Benz A Klasse für 500.000 Euro. Wie geht das denn? Es war 2003 und ein Brennstoffzellen-Auto.

Seit über vier Jahren testen wir nun auch eAutos. Vom VW e-up! (2017) mit 120 Kilometern Reichweite bis zum Porsche Taycan Turbo. Sogar eAutos als LKW haben wir getestet; beispielsweise den Mercedes-Benz eSprinter und den Fuso eCanter (FUSO eCanter Driving Experience).

Nach den ersten Fahrten mit dem VW e-up! (mit nur 120 Reichweite!) und teilweise „schwitzigen“ Fingern – stellte sich oft die Frage: „reicht denn auch die Reichweite?“ Dann kamen die Erfahrung und ein gewisses Sicherheitsgefühl. Mit dem VW e-Golf legten wir die erste lange Strecke zurück mit dem Projekt: „450 km an einem Tag – mit der ganzen Familie“. Hat es geklappt? Das hat es – aber es war auch sehr gut vorbereitet.

Mit der größeren Reichweite der Fahrzeuge von mehr als 400 Kilometern und Fahrten nach Frankfurt (400 km) bis Stuttgart (500 km, Polestar 2), Urlaub in Heiligenhafen (400 km, Volvo XC40 Recharge), war klar: das nächste Auto wird ein Elektrofahrzeug.

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Qual der Wahl

Mit dem Thema Welches eAuto ist ideal für mich? haben wir uns ja schon beschäftigt. Wir fahren auch nicht jede Woche nach Stuttgart und zurück, aber dennoch sind wir relativ oft (einmal im Monat) lange unterwegs und bestreiten Strecken von 400 Kilometern und mehr. Daher sind die Forderungen für eine Reichweite von 400 Kilometern und hoher Ladeleistung extrem wichtig.

IMG 1435 header 2Meine erste Wahl wäre natürlich ein Porsche Taycan Turbo oder ein Audi e-tron GT / RS. Da beide Fahrzeuge mit den notwendigen Extras bei locker mehr als 135.000 Euro liegen, scheiden die leider aus.

Der Preis sollte so um die 50.000 bis maximal 60.000 Euro liegen. Mit in die Berechnung fließt die Umweltprämie von etwa 9.000 Euro ein. Wichtig ist, weiterhin die 0,25-Prozent Regelung zu beachten.

Wenn man sich dann am Markt umschaut, passen die Fahrzeuge Polestar 2, Ford Mustang Mach-E, Audi Q4 e-tron, Mercedes-Benz EQA, Volvo XC40 Recharge (2WD), Hyundai Kona Elektro, VW ID.3, BMW i4 und „last but not least“ der IONIQ 5.

Das Gute an der Planung für unsere Entscheidung ist: wir haben jedes Fahrzeug nicht nur 30 Minuten als Probefahrt gehabt, sondern mehrere Stunden, ein Wochenende oder gar zwei Wochen im Test. Eine interessante Erfahrung: im Winter verlieren die eAutos mal locker 20 Prozent an Reichweite. Da kann man mit noch so einem leichten eGas-Fuß unterwegs sein (s.a. Vergleichstest Polestar 2: Sommer vs. Winter).

Von BMW haben wir leider nur den BMW i3, Mini Cooper Elektro und den BMW iX3 testen können. Den BMW i4 stellen wir vermutlich erst im November 2021 in einem Kurztest vor.

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Was ist mit Tesla?

IMG 9967 h 250Von Tesla sind wir bislang eine Stunde das Model S und in Texas (USA) eine Stunde das Model 3 und Model X gefahren. Von den dynamischen Fahrwerten waren alle Autos erste Sahne. Auch das Model Y (ein Kurztest ist im November 2021 geplant) trumpft da groß auf. Aber die Verarbeitungsqualität, sogar an Fahrzeugen im Show-Room von Tesla in Austin, TX, ist wirklich nicht berauschend.

Ein Kollege, eigentlich ein echter „Petrolhead“, plant, ein Model 3 zu kaufen. Wer weiss, ob das gut geht? Er ist nämlich Ingenieur und Schrauber und hat auch schon die Hinterachse des Audi Q7 zerlegt. Sie hören es heraus: er ist ein wahrer Kritiker (und das ist super positiv gemeint). Aber, oh Wunder: das erste Model 3 benötigte nur zwei bis drei kleine Nachbesserungen; Nummer 2 und 3 waren sogar fehlerfrei. Sie lesen richtig: nachdem mein Kollege sich das Model 3 Standard Range (SR) zugelegt hat, bekam er danach den Long Range (LR) und im Moment fährt er den Performance. Das Model 3 muss ich mir also genauer anschauen (Fahrbericht (kurz) Tesla Model 3 LR).

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Fazit

IMG 2454 Mach E h 250Ein Autokauf ist immer eine spannende Sache und kann sogar mit schlaflosen Nächten verbunden sein, da man ja eine Entscheidung trifft, die für mehrere Jahre bei einem bleibt. Zusätzlich nimmt man ja auch eine Menge Geld in die Hand.

Kompliziert wird die ganze Aktion noch, weil sich viele neue eAuto-Kunden mit dem Thema nicht so genau auskennen. Oft werden die Autokäufer auch negativ beeinflusst – teilweise durch schlechte Pressearbeit, auch in den öffentlich rechtlichen Sendern (s.a. Elektro-Auto-Test mit Experte Gerd Kebschull (verfügbar bis 30.09.2022). Im nächsten Teil wollen wir weitere Entscheidungskriterien beleuchten.

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Fotos © 2021 Redaktionsbüro Kebschull

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