Der fliegende Blumenpflücker

Felix SutschekKlein, leicht, potenter Motor und auch noch bezahlbar. Das waren damals, vor gut und gerne 17 Jahren. Eckdaten, die kaum einer bieten konnte. In der Größen- Leistungs- und Preisklasse war er de facto konkurrenzlos.

Mittlerweile sieht das anders aus. Nahezu jeder Hersteller hat so einen kleinen „Jungem Wilden“ im Angebot. Allein unser Testexemplar hat noch zwei weitere Brüder die, technisch gesehen, nahezu identisch sind. So muss sich der Seat Ibiza Cupra schon Konzern-intern mit dem VW Polo GTI und dem Skoda Fabia RS messen lassen.

Design-technisch ist er etwas sportlicher als der normale Ibiza, ohne zu prollig oder krawallig zu wirken. Viele Plastikapplikationen an der Außenhaut mimen Luftein- und -auslässe, ohne solche zu sein. Sieht aber gut aus. Der "Möchte-gern-Diffusor" hinten und der zentrale Auspuff strahlen Ambitionen aus. Die 17-Zoll Felgen und der dezente Dachspoiler tun ihr übriges.

Gute Verarbeitung und Materialanmutung

Innen geht es hochwertiger zu als im tschechischen Pendant. Wo beim Skoda Fabia RS alles billig wirkte, ist beim Ibiza gute Verarbeitung und Materialanmutung angesagt. Nicht ganz auf Höhe eines Citroen DS4 oder des Audi A1 , aber doch sehr gut. Mit dem A1 teilt er sich übrigens das 3 geteilte Design der Armaturenanordnung. Oben Radio, mittig, aber eigentlich schon fast zu tief, die Bedienung für die Klimaanlage, und ganz unten beim Schalthebel dann der "Rest". Warum der Warnblinkschalter ausgerechnet da untergebracht ist, bleibt ein Rätsel... Die Rückbank diskutier ich nicht, und jeder der größer ist als 160, sollte keinen Gedanken daran verschwenden, dort sitzen zu wollen. Als Kindersitzplatz taugt er vielleicht, aber ob man da überhaupt einen Kindersitz hinein bekommt bezweifele ich. Gleiches gilt für den Kofferraum. Üppig geht anders. Aber so ein Auto fahren meistens junge Singles, denen reicht's. Da sind die Wocheneinkäufe noch nicht so üppig und es gibt ein Reserverad. Dafür finde ich das Auto nach hinten hin überraschend übersichtlich. Zurück zum Innenraum. Die Sitze. Passen gut, bieten Seitenhalt und das Lenkrad fühlt sich gut an. Richtig sportlich. Siebengang Doppellkupplung hat er auch. Na dann mal los. 

Geht gut der Kleine, und klingt auch gut

Der Motor klingt ambitioniert und nach einer kurzen Gedenksekunde hat das Getriebe auch kapiert, dass wir los wollen. Anfahren ist mit dem Ibiza eine spannende Sache, vor allem rückwärts sollte man sich da sehr vorsichtig herantasten. Sonst macht das Auto einen unerwartet forschen Satz und man ist schneller angekommen, als man wollte. Geht gut der Kleine, und klingt auch gut. Für einen aufgeblasenen Zwerg sehr ordentlich. Wesentlich leichter als sein Urahn ist der Ibiza ja nicht geworden (1.169kg), dafür ist der Motor im Laufe der Zeit immer kleiner (1.390cm³) und zwangsbeatmet worden. Den Turbo merkt und hört man kaum. Das Fahrwerk wirkt erwachsen, ist straff ohne zu hart zu sein. Nur kurze Stöße kommen recht ungefiltert durch. Die Lenkung ist etwas indifferent, da fehlt es ein klein wenig an Feedback. Aber insgesamt ist das jammern auf hohem Niveau.

Fazit

Der Seat Ibiza Cupra ist ein sehr ausgewogenes und für seine Größe erwachsenes Auto mit dem man beides machen kann, entweder Blümchen pflücken oder „es fliegen lassen“... Nur eins sollte man nicht vergessen: mittlerweile schafft fast jeder brauchbare Vertreter-Diesel-Kombi-Karren ähnliche Beschleunigungs- und Topspeedwerte. Leider.

Fotos © Redaktionsbüro Kebschull