Audi A105-2012 - Audi ist unter Zugzwang. BMW, Fiat, und VW haben es mit ihren „Retro-Minis“ erfolgreich vorgemacht, wie man eine alte Erfolgsstory neu auferstehen lässt. Nun versuchen die Ingolstädter auch auf diesen recht lukrativen Zug der spritzig, sportlichen Knutschkugeln mit auf zuspringen – jedoch mit mäßigem Erfolg.

Kleines Designdesaster?

Die aktuellen Zulassungszahlen sprechen im Gegensatz zu Mini und Fiat 500 für sich. Die beiden wirklichen Lifestyle-Cityflitzer spielen designmäßig in einer anderen Liga kommen einfach gut an, da kommt Audi nicht hin. Eine große Autozeitung mit Sitz in Stuttgart hatte fast in jeder dritten Ausgabe auf dem Titelblatt eine überarbeitete Ausgabe des Audi A1 gezeigt. Daran kann man sehen, wie schwierig es für die Audi-Designer war, ein passendes Gesicht auf einen Kleinwagen zu projizieren. Zum Schluss wurde aus meiner Sicht ein Kompromiss verschiedener Designmerkmale aus dem Audi-Regal verwendet.

Autos in der Klasse und Preiskategorie brauchen einen optischen Wiedererkennungswert.

Holger MertensDass der A1 in der Masse auffällt, ist gewollt. Aber das Singleframe-Gesicht passt auf einen A8 / A6 / A4, eventuell noch auf einen A3, dann ist Schluss! Der A1 hätte als „Audi-Mini“ ein eigenständiges Gesicht bekommen müssen, um seinen Sonderstatus unter den kleinen Premiumautos zu behaupten. Die Proportionen des A1 wollen mir kein „Aha-Erlebnis“ ins Gesicht zaubern. Der Wagen hat viel zu kleine Räder drauf, die gehören min. 2 Zoll größer, und die Dachlinie ist mit dem hinten abgeknickten Dreiecksfenster zu sehr dem A5 nach empfunden.

Die Qualität des Stadtflitzers ist jedoch über jeden Zweifel Erhaben. Audi hat auch hier wieder Materialien gefunden, die Haptik wie Optik perfekt bedienen. So muss es sein. Im rauen Stadtalltag darf da nichts knirschen und nichts klappern. Der Farbmix und die Zusammenstellung ist im Gegensatz zum Außendesign sehr gut gelungen. Alles ist da wo es hin gehört. Da bleibt der Tuningindustrie wenig Spielraum für Verbesserungen.

Technisch innovativ folgt Audi ganz dem eigenen Werbeslogan: „Vorsprung durch Technik“. Man merkt dass der Konzernlenker Ferdinand Piech klare Vorgaben ins Lastenheft geschrieben hat. Die Umwelt wird es dem Visionär aus Wolfsburg danken, da in den A1 alles eingebaut wurde, um den Kraftstoffverbrauch in Zeiten hoher Ölpreise niedrig zuhalten.

Nun muss sich der jüngste Spross unter den Kleinwagen im VW-Konzern im rauen Alltag beweisen. Können das Design und der hohe Preis des Autos seine Käufer finden, oder wird er nach dem Phaeton das zweite Waterloo unter Piechs Rigide?

Fotos (c) Redaktionsbüro Kebschull